Farbe und Gestaltung

„Bauliche Anlagen sind so zu gestalten, dass sie nach Form, Maßstab, Verhältnis der Baumassen und Bauteile zueinander, Werkstoff und Farbe nicht verunstaltet wirken.“ Dieser Satz ist in mehreren gültigen Landesbauordnungen zu lesen.

Ob ein Gebäude verunstaltet wirkt, darüber lässt sich streiten. Jedoch sollte bei jeder Gestaltung überlegt werden, ob der Geschmack der Mehrheit getroffen werden soll, oder ob man provozieren möchte. Die gängigen Gestaltungsregeln sollte man kennen, um diese zu befolgen beziehungsweise bewusst zu brechen, der Farbentwurf darf nicht dem Zufall überlassen werden.

Man unterteilt die grundlegenden Gestaltungsregeln in drei Hauptgebiete:

Gestalterische Bedingungen

Die Farbrichtung – abhängig von der baulichen Umgebung eines Gebäudes.

Der Hell-Dunkel-Kontrast – durch starke Kontraste können Architekturelemente verstärkt werden, zu schwache Kontraste lassen die Gestaltung flau aussehen und die Architektur tritt zurück.

Die Farbkontraste – sie können das Erscheinen eines Baukörpers grundlegend verändern. Durch den gezielten Einsatz von Quantitäts- und Qualitätskontrasten lassen sich mehr oder weniger spannungsreiche Farbkombinationen erzeugen.

Die Materialkontraste – sie entstehen durch Verwendung verschiedener Baumaterialien mit unterschiedlichen Oberflächen, welche auch als gestalterische Elemente zur Geltung kommen.

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Fehler in der Farbgebung
T.PUTZ-2 RAJA-TROEG.
Fehler in der Farbgebung
Fehler in der Farbgebung
Fehler in der Farbgebung

Technische Bedingungen

Der Remissionswert – steht für die Absorption von Licht durch unterschiedlich helle oder dunkle Farben. Besonders bei der Beschichtung von Wärmedämm-Verbundsystemen auf PS-Hartschaumbasis ist hierauf zu achten, um Bauschäden, wie Risse, durch übermäßige Erhitzung zu vermeiden.

Die Untergründe – sind immer auf ihre Tragfähigkeit und die Eignung für das geplante Beschichtungsmittel zu prüfen.

Die Rentabilität – einer Beschichtung ist nicht immer auf den ersten Blick zu erfassen. So kann ein teurerer Beschichtungsstoff längere Wartungsinterwalle erfordern und somit über einen längeren Zeitraum betrachtet günstiger sein.

Psychologische Bedingungen

Berücksichtigung der Farbwirkung – Traditionen, Kulturen und die eigene Sozialisation bestimmen die Wirkung. So kann je nach kulturellem Hintergrund, die Farbe Weiß, sowohl Trauer als auch Freude ausdrücken.

Manche Gestaltungsrichtungen gefallen uns z.B. im Urlaub so gut, dass wir sie in unsere Umgebung übertragen möchten. Losgelöst vom Gesamtkomplex hat es hier dann aber nicht die gleiche positive Wirkung wie im Urlaub. Zu nennen sind z. B. das Flair des Südens mit seinen warmen ocker bis rotbraunen Tönen bzw. die Farbkombinationen weisblau, die einem von den griechischen Urlaubsinseln bekannt sind.

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Zuwenig Kontrast
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Fassadenkosmetik
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Unterschiedliche Baustile hervorgehoben

Farbe gestern und heute

Farbe wird gemeinhin als optischer Sinneseindruck beschrieben. Dieser ist durch Forscher schon bei unseren menschlichen Urahnen, vor ca. 30 Millionen Jahren nachgewiesen. Allerdings war das Wort Farbe in den frühen Entwicklungsstufen der Völker, als Oberbegriff, unbekannt. Ein Farbton war somit immer auf einen konkreten farbigen Gegenstand bezogen. Durch die Weiterentwicklung des Menschen änderte sich die Bedeutung der Farben in allen Bereichen.

Der Einsatz von Farbe kann von unserer Zeit bis zur steinzeitlichen Höhlenmalerei vor ca. 20.000 Jahren zurückverfolgt werden. Der Farbeinsatz war auf die zur Verfügung stehenden natürlichen bunten Erden und Pflanzenfarben beschränkt. Von einer Farbsystematik kann hierbei also nicht gesprochen werden. Interessanter sind hier schon die Körperbemalungen der Ureinwohner Australiens oder Amerikas. Die Farbe wurde hier bewusst in ihrer aggressiven Wirkung bei Kampfhandlungen eingesetzt.

Höhlenmalerei
Höhlenmalerei

Im alten Ägypten wurden den verschiedenen Farben Bedeutungen zugeordnet. So stand z.B. Cuporivait (ägyptisch blau), welches künstlich durch Synthese (eine Mischung aus Kupfer, Salz, Kalzium und Sand wurde auf 700°C erhitzt und mit einer Flüssigkeit aus Natrium und Salz vermischt) gewonnen wurde, für den symbolisierten Himmel und die himmlischen Götter.

Seit der griechischen Antike werden Farben als Statussymbole benutzt. Mächtige Personen und Amtsträger hatten das Privileg und das nötige Geld sich farbenprächtige Kleidung zu leisten. Der blaurote Purpur war der schönste und teuerste Farbstoff und wurde daher nur von Kaisern und Königen getragen. Hergestellt wurde er aus der Purpurschnecke, welche im Mittelmeer lebte. Um ein Gramm Farbstoff herzustellen, mussten ca. 12.000 Schnecken verarbeitet werden. Angehörige einfacher Stände durften keine farbige Kleidung tragen. Der Missbrauch wurde bis ins 17. Jahrhundert hinein unter Strafe gestellt. Die farbliche Revolution der Kleidung begann Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Entdeckungen in der Chemie, welche beliebige Farbstoffe herstellen konnte.

RAL Design-System
RAL Design-System

Eine stetig steigende Zahl von Farbtönen (als Farbstoff oder Pigment) machte es nötig, die Farben zu systematisieren. Das erste echte räumliche Farbsystem wurde im frühen 17. Jahrhundert von dem Astronomen Aron Sigfrid Forsius entworfen. Große Persönlichkeiten wie Newton, Goethe, Runge, Ostwald u.v.m. bemühten sich, die Farben in eine Ordnung zu bringen. Die meisten Farbsysteme waren für die Verwendung in der Kunst vorgesehen und konnten so dem Anspruch der aufkommenden Industrialisierung nicht genügen. In diese Lücke sprang ab 1927 die deutsche Farbenwirtschaft mit den RAL-Farben, welche standardisiert und somit reproduzierbar waren.
Die RAL-Farben nach dem Hauptregister eignen sich allerdings nicht für die Gestaltung von Fassaden und Räumen, so dass auch hier weitere Systeme benötigt wurden. Die in Deutschland gebräuchlichsten sind das NCS, ACC, RAL-Design-System sowie Hersteller bezogene Systeme: Caparol 3-D, Brillux Scala u.s.w.

Durch das breite Angebot von Farben und Farbtönen ist es möglich, Farbe in allen Bereichen des täglichen Lebens einzusetzen. Der Umgang mit Farbe ist dadurch aber nicht einfacher geworden, da es nun eine unendliche Zahl verschiedener Gestaltungsmöglichkeiten gibt und somit auch die Möglichkeit der farblichen Verfehlungen größer geworden ist.

Neue Pigmente
Neue Pigmente

Farbige Gestaltung von Räumen ist in der heutigen Zeit eine sehr kurzlebige Modeerscheinung, die Trends werden von Designern und Zeitschriften bestimmt. So kann es sein, dass die Trendfarbe von heute, morgen schon völlig verpönt ist. Für die Zukunft ist zu vermuten, dass sich auch in der Farbgestaltung der Trend zur Individualisierung und damit zur ausgefallenen Gestaltung durchsetzt.

Farbe und Sachwertschutz

 

Beispiele für Schäden
Beispiele für Schäden

Die Farbe als Beschichtungsmittel dient neben den gestalterischen Gründen schon immer auch dem Sachwertschutz. Selbst Materialien wie Stahlbeton, denen jahrzehntelang der Ruf des ewig haltbaren Baustoffes nachgesagt wurde, müssen durch Beschichtungen geschützt werden, da ihre Haltbarkeit sonst erheblich verkürzt wird. Das beste Beispiel hierfür sind Autobahnbrücken, die ohne Schutzbeschichtung oft schon nach 10 bis 20 Jahren wieder aufwändig instandgesetzt werden müssen.

Bei einem fachgerechten Sachwertschutz gibt es vieles zu beachten:

  • Zusammensetzung des Untergrundes – sollte dem Beschichter immer bekannt sein, um auf bestimmte Eigenschaften und Eigenarten reagieren zu können
    Ursachen für die Schädigung – müssen erkannt werden um geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen
  • Prüfung des Untergrundes – ist die wichtigste Aufgabe, denn sie gibt Aufschluss darüber, ob der Untergrund für die vorgesehene Leistung überhaupt geeignet ist. Bedenken gegen die Beschaffenheit des Untergrundes und die Art der Ausführung sind, laut VOB,dem Auftraggeber unverzüglich mitzuteilen
  • Diagnose des Untergrundes – geht in der Regel weiter als die Prüfung des Untergrundes und ist daher auch keine Nebenleistung und somit gesondert zu vergüten. Der Einsatz von Messgeräten und Laboreinrichtungen ist hier unumgänglich
  • Schutzsysteme – sind genau auf den speziellen Untergrund und die auf ihn einwirkenden Belastungen auszuwählen. Oftmals sind hier Spezialbeschichtungen mit genau definierten Eigenschaften einzusetzen
  • Verarbeitung – kann nur von Fachleuten ausgeführt werden, welche das nötige „know how“ besitzen, denn es gilt die richtigen Werkzeuge, Arbeits- und Applikationsverfahren einzusetzen
  • Qualität der Leistung – sollte ständig überwacht werden, damit eine hohe Gleichmäßigkeit der Leistung erreicht wird. Zu nennen sind hier Eigen- und Fremdüberwachung
  • Leistungsbeschreibungen – haben beim Sachwertschutz eine große Bedeutung, sie müssen eindeutig und erschöpfend sein, da hier der Untergrund und die erforderlichen Leistungen beschrieben werden. Hierauf baut die betriebliche Kalkulation auf
  • Normen und Richtlinien – müssen bei der Kalkulation und Durchführung der Arbeiten immer in ihrer aktuellen Fassung beachtet werden.
    Beispiele für Schäden
    Beispiele für Schäden
    Beispiele für Schäden
    Beispiele für Schäden

Um alle Untergründe wie Beton, Steine, Hölzer, Metalle, Putze, Mauerwerke, Asbest, Wärmedämm-Verbundsysteme und Kunststoffe richtig schützen zu können, ist ein sehr breites und tiefes Fachwissen, welches auch ständig aktualisiert werden muss, nötig. Die Technischen Richtlinien des Bundesausschusses Farbe und Sachwertschutz bieten hier das unumgängliche fachtheoretische Wissen, welches den Stand der Technik widerspiegelt. Durch Ergänzungslieferungen kann dieses Werk ständig aktualisiert werden.

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