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Farbe gestern und heute

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Farbe wird gemeinhin als optischer Sinneseindruck beschrieben. Dieser ist durch Forscher schon bei unseren menschlichen Urahnen, vor ca. 30 Millionen Jahren nachgewiesen. Allerdings war das Wort Farbe in den frühen Entwicklungsstufen der Völker, als Oberbegriff, unbekannt. Ein Farbton war somit immer auf einen konkreten farbigen Gegenstand bezogen. Durch die Weiterentwicklung des Menschen änderte sich die Bedeutung der Farben in allen Bereichen.

Der Einsatz von Farbe kann von unserer Zeit bis zur steinzeitlichen Höhlenmalerei vor ca. 20.000 Jahren zurückverfolgt werden. Der Farbeinsatz war auf die zur Verfügung stehenden natürlichen bunten Erden und Pflanzenfarben beschränkt. Von einer Farbsystematik kann hierbei also nicht gesprochen werden. Interessanter sind hier schon die Körperbemalungen der Ureinwohner Australiens oder Amerikas. Die Farbe wurde hier bewusst in ihrer aggressiven Wirkung bei Kampfhandlungen eingesetzt.

Höhlenmalerei
Höhlenmalerei

Im alten Ägypten wurden den verschiedenen Farben Bedeutungen zugeordnet. So stand z.B. Cuporivait (ägyptisch blau), welches künstlich durch Synthese (eine Mischung aus Kupfer, Salz, Kalzium und Sand wurde auf 700°C erhitzt und mit einer Flüssigkeit aus Natrium und Salz vermischt) gewonnen wurde, für den symbolisierten Himmel und die himmlischen Götter.

Seit der griechischen Antike werden Farben als Statussymbole benutzt. Mächtige Personen und Amtsträger hatten das Privileg und das nötige Geld sich farbenprächtige Kleidung zu leisten. Der blaurote Purpur war der schönste und teuerste Farbstoff und wurde daher nur von Kaisern und Königen getragen. Hergestellt wurde er aus der Purpurschnecke, welche im Mittelmeer lebte. Um ein Gramm Farbstoff herzustellen, mussten ca. 12.000 Schnecken verarbeitet werden. Angehörige einfacher Stände durften keine farbige Kleidung tragen. Der Missbrauch wurde bis ins 17. Jahrhundert hinein unter Strafe gestellt. Die farbliche Revolution der Kleidung begann Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Entdeckungen in der Chemie, welche beliebige Farbstoffe herstellen konnte.

RAL Design-System
RAL Design-System

Eine stetig steigende Zahl von Farbtönen (als Farbstoff oder Pigment) machte es nötig, die Farben zu systematisieren. Das erste echte räumliche Farbsystem wurde im frühen 17. Jahrhundert von dem Astronomen Aron Sigfrid Forsius entworfen. Große Persönlichkeiten wie Newton, Goethe, Runge, Ostwald u.v.m. bemühten sich, die Farben in eine Ordnung zu bringen. Die meisten Farbsysteme waren für die Verwendung in der Kunst vorgesehen und konnten so dem Anspruch der aufkommenden Industrialisierung nicht genügen. In diese Lücke sprang ab 1927 die deutsche Farbenwirtschaft mit den RAL-Farben, welche standardisiert und somit reproduzierbar waren.
Die RAL-Farben nach dem Hauptregister eignen sich allerdings nicht für die Gestaltung von Fassaden und Räumen, so dass auch hier weitere Systeme benötigt wurden. Die in Deutschland gebräuchlichsten sind das NCS, ACC, RAL-Design-System sowie Hersteller bezogene Systeme: Caparol 3-D, Brillux Scala u.s.w.

Durch das breite Angebot von Farben und Farbtönen ist es möglich, Farbe in allen Bereichen des täglichen Lebens einzusetzen. Der Umgang mit Farbe ist dadurch aber nicht einfacher geworden, da es nun eine unendliche Zahl verschiedener Gestaltungsmöglichkeiten gibt und somit auch die Möglichkeit der farblichen Verfehlungen größer geworden ist.

Neue Pigmente
Neue Pigmente

Farbige Gestaltung von Räumen ist in der heutigen Zeit eine sehr kurzlebige Modeerscheinung, die Trends werden von Designern und Zeitschriften bestimmt. So kann es sein, dass die Trendfarbe von heute, morgen schon völlig verpönt ist. Für die Zukunft ist zu vermuten, dass sich auch in der Farbgestaltung der Trend zur Individualisierung und damit zur ausgefallenen Gestaltung durchsetzt.